
Die Zeit der Sternschnuppen
Der August ist alle Jahre wieder die Zeit der Sternschnuppen. Doch die sind längst nicht mehr das Einzige, was sich da oben bewegt. Davon konnte ich mir unlängst ein Bild machen.
Regelrechte Sternschnuppenregen versprechen die Perseiden in der ersten Augusthälfte. Gegen 23 Uhr an einem der letzten Tage der ersten Augusthälfte sitze ich parat. Auf einem unbequemen Stuhl auf einer Terrasse auf einer Nordseeinsel. Der Blick auf den Nachthimmel ist hier, mitten im Meer, naturgemäß nicht durch Luftverschmutzung getrübt. Auch die Lichtverschmutzung hält sich in Grenzen. Bis auf die grellen Lichter an den Häusern gegenüber, ist es ziemlich dunkel hier. Beste Voraussetzungen also für den Sternenregen der Perseiden.
Ich starre die Sterne an
Ich habe einige Geduld mitgebracht, verrenke mir den Nacken und den Hals und starre erwartungsvoll in den Himmel und die Sterne an. Wage kaum zu blinzeln und versuche stets das große Ganze dort droben im Blick zu halten. Sozusagen den körpereigenen Weitwinkel zu bemühen. Und dann das: Ich sehe vor allen Dingen Satelliten vorüberwabern. Flugzeuge kreuzen den Himmel in schwindelnder Höhe. Eine Kette von fünf Satelliten zieht in Zeitlupe von Nord nach Süd – einem geisterhaften Fackelzug gleich. Ich bin beklommen. Noch immer keine einzige Sternschnuppe.
Wir müllen den Weltraum zu
Kein Wunder streben die Hightech-Milliardäre in andere Galaxien. Nachdem wir unseren Planeten bereits ausgesaugt und mit Plastik übersät haben, müllen wir jetzt das All zu.
In „The Life of Chuck“ – nach einer Kurzgeschichte von Stephen King – kündigt sich der Weltuntergang punktuell an. Die Sterne verschwinden zuerst. Als würde jemand da oben ein Licht nach dem anderen ausknipsen.
Der Film gilt manchem Kritiker als der beste Stephen King. Das finde ich zwar nicht. Mein Favorit ist noch immer „The Shining“. Doch „The Life of Chuck“ ist trotz des düsteren Szenarios auch ein positiver Film, der einmal mehr die Aufmerksamkeit auf die alltäglichen Dinge lenkt. Jene, die uns allzu oft selbstverständlich erscheinen. Dabei sind sie die wirklich großen Dinge des Lebens, die uns leuchten lassen, selbst in schwierigen Zeiten: Freundschaft, Liebe, Dankbarkeit und Tanz.
Der Film verströmt Hoffnung
Am Ende einer der schönsten Tanzszenen der neueren Filmgeschichte hätte ich am liebsten laut geklatscht, habe mich dann aber doch einfach still gefreut und im Takt der Musik mitgewippt.
Der Film verströmt Hoffnung und Lebensfreude, obwohl er auch melancholisch ist und darin schließlich die Welt untergeht.
Beim Verlassen des Kinos war ich so erleichtert, dass sie das nur im Film tut und in der realen Welt ja vielleicht doch noch nicht alles zu spät und sogar noch was zu retten ist.
Ich habe an meinem Perseiden-Abend in einer Stunde dann immerhin drei Sternschnuppen erhascht: eine große und zwei kleine. Habe mir auch einiges gewünscht. Damit vergrößerte sich die Hoffnung auf ein gutes Ende gleich noch mal um ein Vielfaches.
