• Zierkirschenblüte
    Mimosen-Blog

    April. April.

    Wenigstens auf den April ist noch Verlass, selbst in diesen unberechenbaren Zeiten. Er macht mal wieder, was er will. Das finde ich ungemein tröstlich. Gerade heute noch konnte ich ihn bei seinem überaus launigen Verhalten beobachten. Er bediente sich mehrfach und innerhalb von Minuten der unterschiedlichsten Kapriolen aus seinem Wetter-Bauchladen: Hochnebel, Regen (verbunden mit diesem Duft, den sie Petricord nennen), Schnee, große Flocken, kleine Flocken, Hagel und Sonne. Und dann ging das Spiel wieder von vorne los. Ordentlich Wind mischte der April auch noch unter. Es war ein Genuss. Die Luft war so knackig-kalt, wie der Biss in ein Magnum. Nr wenige Autos unterwegs, die das Klare an diesem Tag…

  • Ein Mann an einem Auto schaut auf ein flirtendes Paar
    Literarischer Blog

    Keine Ahnung, wie die Schwäne das schaffen

    Irgendwann mal, es ist sicher schon wieder zwei Jahre her, las ich einen Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung über getrennte Paare, die weiterhin zusammen wohnen, weil sie sich keine Zweitwohnung in der gewohnten Größenordnung leisten können oder wollen oder beides. Mamma mia, dachte ich. Denn das stelle ich mir sehr anstrengend vor. Wenn ich mich trenne, dann brauche ich Abstand. Dann möchte ich den Kerl, den ich nicht mehr als Partner an meiner Seite haben möchte oder der mich nicht mehr an seiner Seite haben möchte, auch nicht mehr sehen. Sehr lange nicht. Manchmal am liebsten sogar nie mehr. In extremen Fällen, will ich nicht mehr in derselben Stadt,…

  • Krähe auf einem Zaun
    Mimosen-Blog

    Krähen

    Lange, sehr lange ist es her, da begegnete mir der Autor und Journalist Cord Riechelmann auf der Karibikinsel Curaçao. Es war im Rahmen einer Pressereise, denn zu Curaçao fiel den meisten Deutschen damals weniger die Insel, als vielmehr der blaue Likör von Bols ein. Auch die Insel gehört zu den Niederlanden und so verbrachten vor allem unsere Nachbarn hier ihre Ferien. Das wollte der dortige Tourismusverband ändern. Und so flog ich als Teilchen einer kleinen Gruppe von Pressevertreter*innen auf das ferne Eiland. Während unsere Kolleg*innen und ich auf der Suche nach Seepferdchen im karibischen Wasser schnorchelten – alles von Berufs wegen, versteht sich, man will ja die Schönheit eines Ortes…

  • Mimosen-Blog

    Traumreisen

    Ich bin ziemlich viel unterwegs in diesen Zeiten. Kürzlich flog ich nach Argentinien mit gemischten Gefühlen im Bauch. Die Palette reichte von abenteuerlustig bis zitterängstlich. Offenbar wollte ich ein Sabbatical einlegen – in Buenos Aires. Was genau meine Pläne waren, fand ich allerdings nicht mehr heraus, denn als der Flug zur Landung ansetzte und ich unter mir viele grüne Berge entdeckte, klingelte mein Wecker. (Das heißt, er musizierte, da ich mich, wie schon einmal erwähnt von Go Outside von den Cults wecken lasse.) Erklären kann ich mir diesen nächtlichen Ausflug allein mit der unterhaltsamen Lektüre eines Artikels von Christoph Gurk in der Süddeutschen Zeitung über die Schwäche der Argentinier für…

  • Mimosen-Blog

    Umarmungsträume

    Es begann während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr. Glücklicherweise wussten wir damals noch nicht, dass der Ausnahmezustand eine ganze Weile unser Status Quo sein würde. Damals vor gefühlten Jahren begann das mit den Umarmungsträumen. Als erstes träumte mir, ich träfe eine ehemalige Nachbarin auf einer Buchmesse. Im richtigen Leben war ich tatsächlich noch nie auf einer, aber im Traum geht ja alles.Ich sah also diese ehemalige Nachbarin, die auch im wirklichen Leben in der Buchbranche arbeitet und freute mich so riesig, dass ich sie sehr herzlich umarmte. Doch selbst im Traum wurde mir schlagartig bewusst, dass eine solch freudigfeste Umarmung in Zeiten von Corona nicht angemessen ist. Ich entschuldigte…

  • Mimosen-Blog

    Jahresrückblick mit gemischten Gefühlen

    Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die froh ist, dass 2020 in wenigen Stunden Geschichte ist. In Australien ist es das längst. Vieles, was wir vorher auch schon wussten oder zumindest ahnten, hat sich uns 2020 wie unterm Brennglas präsentiert. Zuallererst mal, dass unser Höher-Schneller-Weiter keine Option mehr ist. Umdenken ist angesagt. Während des ersten Lockdowns war die Luft selbst mitten in meiner Stadt frisch. Sie roch nicht mehr nach Autoabgasen, es fuhren ja kaum noch Autos. Viele Menschen arbeiteten von zu Hause. Die Mütter in ihren Chelseatrucks mussten ihre Kinder nicht mehr in die Schule fahren oder abholen. Die Schulen waren ja geschlossen. Natürlich ist es wichtig, dass die…

  • Mimosen-Blog

    „San Bernadino in the rain“

    Als ich im Spätsommer von den verheerenden Waldbränden in Kalifornien hörte und las, wurde ich sehr traurig. Kalifornien gehört zu meinen Sehnsuchtsorten, seit meine Eltern 1984 in den Sommerferien mit uns in die USA flogen. Auf dem Programm stand zunächst das wunderbare New York und von dort ging es direkt an die Westküste nach San Francisco. Dort stiegen wir in den gemieteten Buick und flitzten den Highway Number 1 hinunter Richtung L.A., die Stadt der Engel und der Stars. Vorher machten wir einem Abstecher im Yosemite Park mit seinen imposanten Giant Sequoias. Die beeindruckten uns Kinder noch mehr als die New Yorker Skyscraper. So etwas hatten wir noch nie gesehen.…

  • Messer, Wespe und Melone
    Mimosen-Blog

    Die Schwarz-Gelb-Geringelte

    Ich rieche gut. Das wollen mir zumindest die Wespen weismachen, die sich morgens, mittags, abends in Scharen über mich hermachen, in meiner Wohnung und im Homeoffice. Ich habe gelesen, sie mögen alles, was gut riecht. Mich können sie also scheinbar gut riechen. Muss ich sie deswegen mögen? Nö!Letztens war ich an einem Gewitterabend – ich erwähnte das bereits in einem anderen Text – bei einer lieben Freundin und Kollegin zum Abendessen auf ihrer Terrasse geladen. Ich war der erste Gast, da ich den Salat zubereiten half. Anschließend trat ich mit einem schönen Getränk auf den Balkon. Um mich her knisterte es auf eine Art, wie ich es noch nie gehört…

  • Bild von Bruno /Germany auf Pixabay
    Mimosen-Blog

    Das Gewitter war noch nicht da!

    Als kleines Mädchen verbrachte ich ganze Sommer bei meiner Großmutter im Allgäu. In einem besonders schwülen Juli (oder war es August?), spielten sich vor der ohnehin schon spektakulären Bergkulisse rund um Ludwigs Schlösser dramatische Szenen ab. Allabendlich zog ein Gewitter auf und entlud sich in donnernden Paukenschlägen und mäandernden Blitzbündeln, die das imposante Panorama taghell aufleuchten ließen. Ich verfolgte dieses beeindruckende Naturschauspiel mit wohligem Grusel und gebührendem Respekt aus sicherer Entfernung durch das breite Wohnzimmerfenster. So regelmäßig kam das Gewitter zur Abendunterhaltung vorbei, dass ich eines Tages, als meine Großmutter mich ins Bett bringen wollte, sagte: „Ich kann noch nicht ins Bett gehen, das Gewitter war noch nicht da.“ Das…

  • Mimosen-Blog

    Mein Trip durch Flandern 1. Etappe: Maastricht-Tongeren

    Manche Paare haben zwei Autos, wir haben vier Fahrräder. Zwei für den täglichen Gebrauch, zwei für sportliches Fahren. Irgendwann wollten wir es dann wissen und starteten auf eine Tour durch Belgien. Genauer durch Flandern. Da Belgien ja flach ist (was für ein Irrtum!), wählte ich meine gefakte Hollandmöhre. Die macht zwar einen auf Gazelle, auf dem schwarzen Rahmen prangt aber Bismarck. Was auch eine traditionsreiche Firma ist. Allerdings eine deutsche (Spätes 19. Jahrhundert, Bergisches Land), die auch Motorräder und ha!, Nähmaschinen gebaut hat. Kein Wunder läuft mein Rad wie am Schnürchen. Mein Freund trug einen massigen Rucksack auf dem Rücken und saß auf seinem Trekkingrad (er wusste schon warum). Ich…

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