• Mimosen-Blog

    Oh Tannenbaum!

    Hier in London ist dieser Januar ein besonders trister. Nicht nur ist er grau, windig und es wird gar nicht richtig hell. Überall liegen noch dazu die Reste vom Feste. Denn das Leben der Weihnachtsbäume ist ein kurzes. Es schmerzt, zu sehen, wie dieses Symbol der Hoffnung nackt und bloß, seines Schmuckes beraubt, auf der kalten, nassen Straße liegt. An jeder Ecke sind die grünen Kadaver derzeit zu finden. Oh, Tannenbaum! Tatsächlich macht mich dieser Anblick nachdenklich, wie nie. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und sprechen mittlerweile so oft über Verschwendung, CO2-Ausstoß und Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite holen wir uns einen echten Baum ins Haus und schmeißen ihn zwei,…

  • eine rote Kerze, deren Flamme sich im Lufthauch bewegt
    Mimosen-Blog

    Schluss mit lustig: „Silent Night“

    Ich bin der totale Film-Junkie. Filme sind doch eine der schönsten Arten Geschichten zu verpacken und zu konsumieren, finde ich. Es passiert sehr, sehr selten, dass ich einen Film nicht zu Ende schaue. Bei der Komödie „Silent Night“ war für mich allerdings Schluss mit lustig und ich kam doch sehr in Versuchung, das Ganze abzuwürgen oder im Keim zu ersticken. Ich wähle diese Worte mit Bedacht. Das Leben und erst recht die Abende sind einfach viel zu kurz für schlechte Filme. Ich siebe daher im Vorfeld sehr gründlich. Wenn sich dann doch mal etwas Mieses durchmogelt auf meinen Bildschirm, gebe ich der Sache dennoch eine Chance, um sicher zu gehen,…

  • Ein Schokoladenweihnachtsmann steht Kopf im Butterfach im Frühling
    Kurzgeschichte

    Ein Weihnachtsmann im Frühling

    Es ist kalt, eiskalt. Da nützt auch der rote Mantel aus Stanniolpapier nichts, den der Weihnachtsmann trägt. Denn der Weihnachtsmann steht Kopf im Kühlschrank – genauer gesagt, im Butterfach – und das mitten im Frühling. Da kommt der Kakaokerl mächtig ins Grübeln. Ganz einsam fühlt sich sein Schokoladenherz. Ehrlich gesagt, ist ihm nachgerade zum Heulen. Denn er wurde vergessen. Wochen und Monate sind seit dem Fest der Liebe ins Land gegangen. Erst ist der Winter gewichen, dann haben die Bäume Knospen getrieben und längst sind diese erblüht. Die Kühlschranktür ist in der Zwischenzeit ungezählte Male auf und kurz darauf wieder zu geklappt. Die behaarte Hand, die hereinschaute, griff nach Käse oder Senf…

  • Eine Frau in einem weißen Kleid unter Wasser mit Luftblasen um Mund und Nase
    Mimosen-Blog

    Außer Atem

    Wie war das eigentlich damals vor vielen Jahren, als der Atem floss, ohne, das wir ihn beachteten? Allzu selbstverständlich war er. Das Virus jedoch hat ungezählte Menschen erst ihres Atems und dann ihres Lebens beraubt. Aber auch den Atem der Überlebenden hat es beeinflusst. Natürlich ist das, wie alles im Leben, subjektiv. Meinen Atemrhythmus jedenfalls hat die Pandemie zeitweise ganz schön aus dem Takt gebracht. Ich fühlte mich wie unter Wasser und natürlich ziemlich außer Atem. Doch ruhiger, tiefer Atem ist elementar für unser Wohlbefinden. Wer meditiert oder Yoga macht, erlebt, wie achtsames Atmen Blutdruck und Stresslevel senken kann. In diesen beinahe zwei Jahren der Pandemie war mein Atem die…

  • ein grauer Morris Minor steht in London vor einem Gebäude mit einer grauen Fassade
    Mimosen-Blog

    Oldtimer – alt aber schöner

    Wer mich kennt, weiß, dass Autos nicht zu meinen bevorzugten menschengemachten Objekten zählen. Doch auch als Radfahrerin fällt mir eines auf: Das Design von Autos wird immer einfallsloser. Die Karosserien nähern sich einander äußerlich immer mehr an. In den vergangenen Tagen stolperte ich über den einen oder anderen Oldtimer und dachte bei mir – die sind zwar alt und echte Umweltverpester, aber definitiv schöner als alles, was heute – noch immer meist mit Verbrennungsmotor ausgestattet – über die Straßen unseres gebeutelten Planeten rollt. In der Literatur begegnete mir in den vergangenen Tagen ein altes Autos, das mir früher sehr gefiel. Ich selbst bin den Citroën DS zwar nie gefahren, doch…

  • Mimosen-Blog

    Londonreise in Zeiten von Corona

    Logbuch meiner Londonreise in Zeiten von Corona: Zugegeben für eine Reise nach England gibt es sicher bessere Zeiten als die gegenwärtige. Aber darauf kann ich nicht warten. Mein Herz lässt mir keine Wahl. Denn über Corona haben wir eine weitere Geißel der Menschheit verdrängt – den Brexit und der hat mich von meinem Liebsten getrennt. Die Reisevorbereitungen gleichen einer Dissertation: So viele Beschränkungen und Auflagen gilt es zu beachten. Dabei finden in Post-Brexit London die Menschen gerade zurück in eine vorsichtige Post-Corona-Normalität. Knapp 55.000.000 Menschen sind hier bereits geimpft. Rund 19.000.000 von ihnen schon zum zweiten Mal. Das sind beeindruckende Zahlen. Die Regierung lässt aber noch längst nicht ganz locker.…

  • ein brütender Schwan im Schilf
    Literarischer Blog

    Keine Ahnung, wie die Schwäne das schaffen

    Im Tierreich trifft man ja immer mal wieder auf das Thema Monogamie und lebenslange Treue. Aber keine Ahnung, wie die Schwäne das schaffen. Bei den Menschen ist das ja eher eine komplexe Angelegenheit. Es gibt die unterschiedlichsten Lebensentwürfe – von serieller Monogamie bis zur Polygamie. Irgendwann mal, es ist sicher schon wieder zwei Jahre her, las ich einen Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung über getrennte Paare, die weiterhin zusammen wohnen, weil sie sich keine Zweitwohnung in der gewohnten Größenordnung leisten können oder wollen oder beides. Mamma mia, dachte ich. Denn das stelle ich mir sehr anstrengend vor. Wenn ich mich trenne, dann brauche ich Abstand. Dann möchte ich den…

  • Foto by theotherkev
    Literarischer Blog

    Delfine der Lüfte

    Die Delfine der Lüfte flogen gemeinsam mit mir durch ihr Himmelsmeer. Zumindest fühlte es sich so an. Der Mai war gekommen, eben erst und mit dem Mai – als würden sie innerlich Kalenderblätter abreißen – waren auch die Mauersegler zurück. Apus apus, nennt man sie im Wissenschaftler-Latein. Es war einer dieser Frühlingsabende, an denen der Rhein im Licht liegt, als sei er das Meer, seine Oberfläche unruhig, schuppig, hornig, wie die Haut einer dunkelblauen Riesenechse. In Afrika verbringen die Mauersegler den Winter und wenn es Mai wird, sind sie wieder bei uns, unangekündigt, aber verlässlich, absolut verlässlich. Ihre Schreie sind ein Synonym für Sommer. Am 1. August verschwinden sie aus…

  • Zierkirschenblüte
    Mimosen-Blog

    Der April macht, was er will

    Wenigstens auf den April ist noch Verlass, selbst in diesen unberechenbaren Zeiten. Der April macht, was er will. Das finde ich ungemein tröstlich. Gerade heute noch konnte ich ihn bei seinem überaus launigen Verhalten beobachten. Er bediente sich mehrfach und innerhalb von Minuten der unterschiedlichsten Kapriolen aus seinem Wetter-Bauchladen: Hochnebel, Regen (verbunden mit diesem Duft, den sie Petricord nennen), Schnee, große Flocken, kleine Flocken, Hagel und Sonne und dann ging das Spiel wieder von vorne los. Ordentlich Wind mischte der April auch noch unter. Es war ein Genuss. Die Luft war so knackig-kalt, wie ein Magnum. Nur wenige Autos unterwegs, die das Klare an diesem Tag hätten zerstören können. Derweil…

  • Ein Mann an einem Auto schaut auf ein flirtendes Paar
    Literarischer Blog

    Wie schaffen das die Schwäne?

    Die Idee zu meinem Mehrgenerationen Familienroman „Wie schaffen das die Schwäne“, kam mir bei der Lektüre eines Zeitungsartikels in der Süddeutschen Zeitung. Demnach ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass sich Paare heute oft aus Kostengründen nicht mehr räumlich trennen können. Stell Dir doch einfach mal selbst vor, Du trennst Dich, wohnst aber weiterhin mit Deinem Mann und Deinen Kindern in derselben Wohnung, weil ihr Euch keine zweite in der Preislage leisten könnt. Genauso geht es Hannah und Philipp in „Wie schaffen das die Schwäne“. Das nennen die beiden ganz erwachsen und vernünftig: Trennung unter dem gemeinsamen Dach. Ihre Kinder, Patrick und Lena, finden das einerseits beruhigend, andererseits megabescheuert. Es dauert nicht lange…

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