Mimosen-Blog

Corona-Blues

Meine Lebensfreude trägt momentan Mundschutz.
Sie ist da, irgendwo. Aber sie ist gedämpft, gefiltert. Hält sich bedeckt. Die neue Problemzone ist nicht Bauch, Beine, Po, sondern Mund, Nase, Kinn.

Draußen scheint die Sonne und ich denke: Was würdest Du an einem Tag wie diesem normalerweise tun, in einem anderen Jahr, nicht 2020?

In einem anderen Jahr als 2020 würde ich mich an einem solchen Tag mit einer meiner liebsten Freundinnen in meinem Lieblingscafé treffen.
Wir würden uns dann erst einmal fest in den Arm nehmen und heftig auf die Wange küssen. Nicht so Bussi-Bussi mäßig – Luftkuss links, Luftkuss rechts, damit das Make-up weder Schaden nimmt, noch kleben bleibt. Sondern einen richtigen Schmatzer, mit Tröpfchen und allem was in denen drinsteckt.
Dann würden wir uns nebeneinander auf die Bank setzen, ganz dicht und über alles reden, was uns gerade so bewegt, uns schlaflose Nächte beschert oder herzlich freut.

Dabei würden natürlich viele Tröpfchen oder Aerosole fliegen. Hei, das wäre eine Freude für all die Viren und Keime, die unsere Spucke so in sich trägt. Aber es wäre in einem anderen Jahr als 2020 eben nicht schlimm und schon mal gar nicht gefährlich. Wir würden außerdem viel lachen und uns in die Seite stupsen. Leute gucken. Einen Kaffee nach dem anderen trinken, ohne unsere Adresse zu hinterlegen. Uns frei fühlen, lachen und das Leben feiern. An einem solchen Tag in einem anderen Jahr.

Das fehlt mir
Genau das fehlt mir gerade.
Die Nähe. Die Berührung. Die körperliche Wärme. Unter Freundinnen.
Wie muss es da erst alleinstehenden Menschen gehen?, frage ich mich.
Wie wichtig so eine Umarmung unter besten Freundinnen ist, fällt mir gerade besonders auf.
Beim Telefonieren fehlt die nicht so sehr. Da gab es sie einfach nie.
Aber sich zu treffen, ohne festen Drück. Das ist wirklich wie Apfelstrudel ohne Vanillesauce. Etwas trocken und lange nicht so ein Genuss.

Auf der Parkbank
Gestern Abend habe ich meine geliebte Freundin S. nach zwei Monaten Pause auf einer Parkbank getroffen.
Wir haben uns nicht umarmt.
Sie hat sich an das entgegengesetzte Ende der Bank gesetzt und war furchtbar weit weg, irgendwie.
Ich habe sie aus der Ferne betrachtet und gedacht, wie schön sie ist und dass ihr das Älterwerden gar nicht schadet, sondern ihre Konturen und ihre weibliche Anmut schärft.
Wir haben nur geredet und gelacht. Dazu haben wir eine ganze Flasche Rosé-Sekt geleert und Erdnussflips verputzt.
Dabei sind drei Stunden vergangen, ohne, dass es uns aufgefallen wäre.
Anschließend sind wir gemeinsam durch den Park nach Hause geradelt. Und alles wirkte plötzlich so leicht.
Wir haben uns lächelnd und ohne Umarmung verabschiedet und „Bis bald“ – gesagt. Und dann habe ich ihr über den Pulloverärmel gestreichelt, ganz zart nur, auf Armlänge Abstand und ohne was zu sagen. Aber ich habe mich ihr dabei ganz nah gefühlt.
Dieses Gefühl trägt mich heute im Mai 2020 durch den Tag.

2 Kommentare

  • ilka

    Meine immer noch liebste aller Katjas,
    das ist doch das Gute an dem bösen C-Wort: Es gibt Raum, Zeit und Muße, um lang angedachte Dinge auf den Weg zu bringen. Endlich hat der Blog seinen digitalen Weg gefunden.
    Ich freue mich sehr. Sieht toll aus. Und liest sich noch toller!
    Bacione,
    Ilka

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